{"id":2223,"date":"2019-08-11T10:13:44","date_gmt":"2019-08-11T10:13:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freefairandalive.org\/?p=2223"},"modified":"2020-01-06T10:12:38","modified_gmt":"2020-01-06T10:12:38","slug":"ein-gutes-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freefairandalive.org\/de\/ein-gutes-leben\/","title":{"rendered":"Was brauchen wir wirklich f\u00fcr ein gutes\u00a0Leben?"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\">\n<div class=\"entry-meta\">Das<a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/\"> \u00d6DP-Journal <\/a>hat sich f\u00fcr einen <strong>commoning<\/strong> Schwerpunkt entschieden. Wenn ich das recht \u00fcberblicke, widmet sich damit zum ersten Mal eine parteibezogene Zeitschrift diesem Thema. Im Heft ist fast durchg\u00e4ngig von der \u201eCommons-Bewegung\u201c die rede, mit Tendenz zu mehr Dynamik.<\/div>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Mein <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/27\/interview-was-brauchen-wir-wirklich-fuer-ein-gutes-leben\/\">Interviewbeitrag<\/a> tr\u00e4gt den Titel dieses Blogposts. Das Gespr\u00e4ch dreht sich u.a. darum, wie wir in <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-4530-9\/frei-fair-und-lebendig-die-macht-der-commons\/\">Frei, Fair und Lebendig<\/a> versuchen, die Eigentumsfrage anzugehen: nicht <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haben_oder_Sein\">Haben oder Sein<\/a> ist die Frage, sondern es sind Formen des Habens zu entwickeln, \u201ein denen sich das Sein entfalten kann.\u201c Der Schwerpunkt bietet v.a. einen Mix von Projektberichten und Interviews.<\/p>\n<p>So gibt es ein Interview mit Holger Roloff von <a href=\"https:\/\/www.hauptsache-commons.de\/\">Hauptsache Commons<\/a>:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/26\/interview-die-fantasie-der-leute-anregen\/\">Die Phantasie der Leute anregen<\/a>. Er findet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>\u201eCommons bieten eine neue Logik des Umgangs mit der Natur einerseits sowie zwischen uns Menschen andererseits. Wem das klar wird, der sp\u00fcrt in sich eine sich freisetzende Begeisterung. Diese Energie wirkt \u00e4hnlich positiv ansteckend wie Lachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p>Find\u2018 ich auch und dieses Ansteckende zeigt sich immer sehr sch\u00f6n in den <a href=\"http:\/\/commons-sommerschule.webcoach.at\/index.php\/Hauptseite\">Commons-Sommerschulen<\/a> :-). \u00dcberhaupt kommt das Motiv des \u201eAnsteckens\u201c in den Interviews mehrfach vor. Auch bei Simon Sutterl\u00fctti, der betont, dass <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/28\/interview-eine-bessere-gesellschaft-muss-erlernt-werden\/\">Eine bessere Gesellschaft erlernt werden muss:<\/a><\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>[ich] erlebe h\u00e4ufig, dass f\u00fcr Menschen mit Commons-Erfahrungen die Utopie kein unerreichbarer Wunsch, sondern deutlicher reale M\u00f6glichkeit ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr treffend fand ich Simons Bemerkungen zur Rolle des sogenannten \u201ePreissignal\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kapitalismus kommuniziert mit uns [\u2026] nicht nur durch Preissignale, sondern auch durch all die symbolischen, sozialen und materiellen Mittel, die uns umgeben, sogar durch die Menschen selbst. Es gibt also heute schon eine Myriade von Signalen, die uns umgeben und uns M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen oder verweigern. [Der] Preis als ein wichtiges Hinweismittel [\u2026] macht Entscheidungen nicht nur einfach, <strong>sondern sogar zu einfach <\/strong>(Herv.S.H.). Eine Gesellschaft ist heute eine Kooperation von Milliarden von Menschen, alle mit unterschiedlichen Bed\u00fcrfnissen, und somit gibt es notwendig Konflikte. Markt ist die dominante Form, um diese Konflikte zu l\u00f6sen. Doch die Preishinweise des Marktes lassen nur reduzierte Entscheidungen zu \u2013 Wie kann ich Kosten sparen? Wo mache ich mehr Profit? \u2026<\/p>\n<p>Wollen wir menschliche Bed\u00fcrfnisse in ihrer Komplexit\u00e4t koordinieren, <strong>brauchen wir komplexere Signale<\/strong> (Herv. S.H.) \u2013 diese m\u00fcssen so aufbereitet und zur Verf\u00fcgung gestellt sein, dass sie menschliche Entscheidungen zwar komplex machen, die Menschen aber nicht \u00fcberfordern.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier ist die Nachdenk- und Gestaltungsaufgabe bestens formuliert. Weiter geht es mit dem Kulturwissenschaftler und Autor Christian Sch\u00fcle, der sich mit dem politisch brisanten Heimatbegriff auseinandersetzt und meint: <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/25\/interview-commons-sind-gestalter-lokaler-identitaeten\/\">Commons sind Gestalter lokaler Identit\u00e4ten.\u00a0<\/a>Sch\u00fcles Diagnose:<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4ngt man keinem rechtsnationalen Heimatverst\u00e4ndnis an, das auf dem Glauben an \u201eBlut und Boden\u201c basiert, sondern betrachtet Heimat als einen dynamischen kulturellen Prozess, bei dem es vor allem um ein Gef\u00fchl von Vertrautheit und Vertrauen geht, dann liefert das stark wachsende Commons-Netzwerk daf\u00fcr einen wertvollen Beitrag. Es geht den Commonisten weder um plumpe Heimatt\u00fcmelei noch um Kommunardentum im Sinne eines ideologischen Sozialismus, sondern um konkretes gemeinschaftliches Tun in mikrosozialen Gemeinschaften. Da werden keine geschlossenen Ideologien und Weltbilder propagiert, es wird nicht fragmentiert, nicht abgegrenzt und nicht ausgegrenzt. Stattdessen steht das Wir im Mittelpunkt, die Begegnung, die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung, das Miteinander. \u2026.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz so mikrosozial, wie Sch\u00fcle das beschreibt, finde ich ja das commoning keineswegs, aber insgesamt kann ich mich der Darstellung von Christian Sch\u00fcle gut anschlie\u00dfen, auch deshalb, weil er den Begriff des Brauchtums so wunderbar entstaubt und die \u201eWertsch\u00e4tzungsproduktion\u201c in der Commons-\u00d6konomie unterstreicht indem er hervorhebt, dass jegliches Produzieren von Sinnstiftung begleitet sein muss.<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Werden, der Vorgang der Fabrikation, der Prozess der Herstellung erhalten einen weit h\u00f6heren Stellenwert als das bereits hergestellte, verkaufbare und nach Gebrauch zu entsorgende Gut. Je gr\u00f6\u00dfer Mitspracherecht und Eigenverantwortung des Einzelnen, desto h\u00f6her seine Motivation und Identifikation. Jeder hat dann Verantwortung; und aus Verantwortung entsteht Vertrauen, aus Vertrauen entsteht Geborgenheit, aus Geborgenheit schlie\u00dflich Heimat. Das Brauchen und Gebrauchtwerden \u2013 das \u201eBrauchtum\u201c sozusagen \u2013 bilden einen sozialen Kitt. Und daraus entwickelt sich auch ein realer Gewinn, allerdings nicht in Form von mehr Geld, sondern von mehr Lebensqualit\u00e4t.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Sinnstiftung und Sinnlichkeit zusammengeh\u00f6ren, beschreibt auch Christa M\u00fcller. Commoning bedeute, so M\u00fcller,<a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/24\/interview-sinnliche-erfahrungen-ermoeglichen\/\"> sinnliche Erfahrungen [zu] erm\u00f6glichen<\/a>. Das ist umso dringlicher, je mehr die<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201egesellschaftlichen Tendenzen zur Virtualisierung mit den Folgen eines zunehmenden Abgeschnittenseins von sinnlichen bzw. haptischen Erfahrungen im Alltag und der fehlenden M\u00f6glichkeiten des Selbergestaltenk\u00f6nnens \u2026 mit der intensivierten Digitalisierung eher mehr denn weniger als Sinnverlust wahrgenommen [werden].<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter den Interviews finden sich jeweils aktuelle Buchtipps. Zusammengenommen ergeben sie eine stattliche aktuelle kleine Commons-Bibliothek.<\/p>\n<p>Weitere Texte: Den sehr lesenswerten Er\u00f6ffnungsbeitrag dieses Schwerpunktes zum <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/19\/gemeinschaftliches-bauen-boomt\/\">Boom gemeinschaftlichen Bauens<\/a>\u00a0 von G\u00fcnther Hartmann, der auch das Heft konzipierte und die Interviews f\u00fchrte. Hartmann beschreibt gekonnt (und beispielhaft) den aktuellen Irrsinn auf dem M\u00fcnchner Wohnungsmarkt, das Funktionieren von Baugenossenschaften und Baugruppen und wie die Kommunalpolitik selbige unterst\u00fctzen kann und das auch tut.<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Grundlage eines Stadtratsbeschlusses vergibt die Stadt M\u00fcnchen 40% ihrer Grundst\u00fccke an Baugemeinschaften und Baugenossenschaften: rund 10% an Baugemeinschaften und rund 30% an Baugenossenschaften. Zudem verkauft sie ihre Grundst\u00fccke nicht an die schnellsten oder meistbietenden Interessenten, sondern an diejenigen mit dem besten Konzept. \u2026 Doch wer 40% seiner Grundst\u00fccke an Baugemeinschaften und Baugenossenschaften verkaufen m\u00f6chte, der sollte auch daf\u00fcr sorgen, dass es davon gen\u00fcgend gibt. Deshalb unterst\u00fctzt die Stadt M\u00fcnchen deren Gr\u00fcndung \u00fcber ihre im Herbst 2014 gegr\u00fcndete \u201e<a href=\"https:\/\/www.mitbauzentrale-muenchen.de\/home.html\">Mitbauzentrale<\/a>\u201c. Die ber\u00e4t Interessenten kostenfrei und begleitet sie mit profundem Fachwissen. Zudem betreibt sie eine gro\u00dfe Projektb\u00f6rse. Dies f\u00fchrte bislang zu 14 Neugr\u00fcndungen von Baugenossenschaften. Und 5 weitere stehen aktuell vor ihrer Gr\u00fcndung. Zum Vergleich: Als die \u201eMitbauzentrale\u201c ihre Arbeit aufnahm, lag in M\u00fcnchen die letzte Gr\u00fcndung einer Baugenossenschaft bereits \u00fcber ein Jahrzehnt zur\u00fcck.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufschlussreich ist auch, warum Baugenossenschaften den Baugruppen i.d.R. vorgezogen werden und was mit den \u201ealten Baugenossenschaften\u201c los ist, die schon lange nicht mehr bauen, sondern nur noch Wohnraum verwalten. Wer Hartmanns Beitrag liest, wird nachvollziehen k\u00f6nnen, wie dringlich <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/welt_der_commons.pdf\">Muster des Commoning <\/a>sind, also handlungsorientierendes L\u00f6sungswissen, das Commoning einfacher macht und beim Ein\u00fcben hilft.<\/p>\n<p>Weiters gibt es eine vergn\u00fcgliche Beschreibung des <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/23\/sojaanbau-im-reallabor\/\">Sojaanbaus und der Tofuproduktion im Reallabor<\/a> nicht in China, sondern vor unseren Haust\u00fcren und einen Bericht \u00fcber commonsorientierte Aktivit\u00e4ten<a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/2019\/07\/22\/bewusst-konsumieren-und-reparieren-statt-wegwerfen\/\"> in der Stadt Mainburg<\/a>.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche dem Heft viele Leser*innen.<\/p>\n<div><\/div>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\">Crossposted from\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/commons.blog\/2019\/08\/08\/was-brauchen-wir-wirklich-fuer-ein-gutes-leben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Commons.blog<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00d6DP-Journal hat sich f\u00fcr einen commoning Schwerpunkt entschieden. 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